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Namensgeber König Heinrich

König-Heinrich-Schule - ein Herrscher des frühen Mittelalters als Namensgeber.

Zu Heinrich I. und seinem Wirken gibt es einige gesicherte Daten und eine Menge Legenden, daher gibt es sehr unterschiedliche Deutungen seiner Person: Lange Zeit galt er in der Geschichtsschreibung als weiser und erfolgreicher Begründer des deutschen Reiches. Die Nationalsozialisten stilisierten ihn zur Kultfigur des germanischen Kampfes gegen die Slawen.

Wie geht eine Europaschule im 21. Jahrhundert mit diesem Befund um? Ist er überhaupt ein geeigneter Namensgeber? An der Auseinandersetzung mit dieser Frage waren über einen längeren Zeitraum hinweg viele Lehrkräfte und Schüler*innen beteiligt. Die Schulgemeinde hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, im Jahr 2007 aber mit großer Mehrheit für die Beibehaltung des Namens gestimmt. Die Begründung für diese Entscheidung ist im folgenden dokumentiert.

heinrich i 

Bild Heinrichs I. In einer Handschrift des 12. Jhs.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Ostfrankenreich)#/media/Datei:BildHeinrich.jpg

Heinrich I. - ein geeigneter Namenspatron für die KHS?

(Votum der Gesamtkonferenz 2007)

„Die Wahl Heinrichs zum König der Franken und Sachsen ist ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte Fritzlars wie auch Deutschlands.

Bedeutend deshalb, weil es Heinrich nach seiner Wahl gelang, im zerfallenden Ostfränkischen Reich seiner Königsherrschaft bei allen Stämmen - einschließlich Lothringen - Macht und Ansehen zu verschaffen, weswegen sich von der von ihm gesicherten Einheit aus eine direkte „staatliche“ Linie bis in das Deutschland unserer Zeit ziehen lässt.

Die vorherrschende Geschichtsschreibung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts hat allerdings Heinrich I. häufig als den Begründer des späteren deutschen Reiches proklamiert. Dem lag das Bemühen zugrunde, dem angestrebten deutschen Nationalstaat eine historische Legitimation und Würde zu geben.

An diesem Bemühen knüpften die Nationalsozialisten an. Vor allem der Führer der SS, Heinrich Himmler, betrieb mit Heinrich I. einen wahnhaften Kult und wollte in ihm, passend zu Rassenideologie und Weltherrschaftsphantasien, anknüpfend an seine Slawenkriege und die Kämpfe gegen die Ungarn, vor allem den germanischen Kämpfer gegen die „Ostvölker“ sehen. Himmler bezeichnete sein Programm zur Eroberung des Ostens „Programm Heinrich“ und taufte die als SS-Tagungsstätte genutzte Wewelsburg (südlich von Paderborn ) in „Heinrichsburg“ um.

Bedeutet diese nationalsozialistische Vereinnahmung König Heinrichs I., dass er als Namensgeber für die Schule, zumal in einem zusammenwachsenden Europa, nicht taugt?

Die Schulgemeinde verneint diese Frage mit sehr großer Mehrheit:

Erstens galt Heinrich I. in seiner Zeit galt als ein überaus erfolgreicher Herrscher. Erfolgreich meint hier: Festigung des ostfränkischen Reiches durch Siege über die Slawen, Dänen, Westfranken und Ungarn, was den Menschen in seinem Herrschaftsbereich einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit und Frieden schenkte.

Zweitens: Heinrich I., den sein wichtigster Chronist Widukind den „besten aller Könige“ nennt, kann in der Art seiner Herrschaftsausübung positiv gedeutet werden. Seine Herrschaft war nicht, wie die ältere und teilweise nationalistische Deutung es glauben machen wollte, vor allem durch ein kriegerisches und machtbewusstes Auftrumpfen gekennzeichnet, sondern vielmehr durch eine kluge, langfristig angelegte Herrschaft der Bündnisse, der Einigung und damit des Befriedens.. Er schloss mit seinen politischen Kontrahenten „amicitiae“, Freundschaftsbünde, die in den sog. „Gebetsverbrüderungen“ belegt sind.

Heinrich I. kann in seinem Handeln nicht aufgeklärten humanistisch-christlichen Wertmaßstäben entsprechen. Aber die Wahl Heinrichs zum König hier vor Ort in Fritzlar, erst recht seine Anstrengungen um „amicitiae“ sowie eine vieljährige Gewöhnung an den Namen „KHS“ gleich „König-Heinrich-Schule“ rechtfertigt nach Meinung der Schulgemeinde, den Schulnamen beizubehalten.“

 

 siegel

Siegel Heinrichs I. an einer Urkunde vom 18. Oktober 927. Es zeigt Heinrich als Heerführerkönig mit Lanze und erhobenem Schild.

https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_I._(Ostfrankenreich)#/media/Datei:Siegel_Heinrich_I_Posse.JPG

 

Wesentliche Daten zu Leben und Herrschaft Heinrichs I.

876 geboren als Sohn des Sachsenherzogs Ottos und seiner Frau Hadwig

912 zum Herzog der Sachsen gewählt

919 in Fritzlar zum König der (Ost)Franken und Sachsen gewählt

921 auch in Schwaben und Bayern als König anerkannt

925 schließt Lothringen dem Ostfränkischen Reich an

926 Waffenstillstand mit den Ungarn

933 Sieg über die Ungarn bei Riade an der Unstrut

935 Freundschaftsbündnis mit den Königen von Frankreich und Burgund

936 gestorben am 2. Juli

 

Wie aus dem Realgymnasium die König-Heinrich-Schule wurde

Im September 1955 machte sich das Kollegium des damaligen Realgymnasiums in Fritzlar Gedanken über einen Namensgeber für die bis dato unbenannte Schule. Vorgeschlagen wurden Herbort von Fritzlar, St. Wigbert und St. Martin. Zuerst sprachen sich Kollegium und Schulelternschaft für St. Martin aus, weil sich „in ihm Katholisches und Evangelisches vereine“ und er in seinem „christlichen und sozialen Gehalt“ eine wichtige Symbolgestalt sei. Die Stadtverordnetenversammlung Fritzlars überging jedoch diese Entscheidung und meldete St. Wigbert an den Regierungspräsidenten in Kassel.

Da es aber bereits in Hünfeld eine St. Wigbert-Schule gab, forderte der Regierungspräsident zu einer erneuten Entscheidungsfindung auf.

Mit Bezug auf die geschichtliche Bedeutung seiner Königswahl im Jahr 919 in Fritzlar votierten Elternschaft und Kollegium dann für König Heinrich – die Stadtverordnetenversammlung hingegen bevorzugte Herbort von Fritzlar „als den bekanntesten Schüler der Schule“ (er schrieb im Jahre 1210 eine Dichtung vom trojanischen Krieg in 18 458 Versen). In seiner Funktion als Schulträger teilte der Bürgermeister Fritzlars am 31. Januar 1956 dem Regierungspräsidenten und dem örtlichen Schulleiter mit, dass die Stadt den Namen „König-Heinrich-Schule“ beschlossen habe.