Geschichte einmal anders

Schon zum zweiten Mal: Geschichte einmal anders.


Am Freitag, den 6.11.09 trafen sich 14 begeisterte und interessierte angehende AbiturientInnen, um gemeinsam mit Herrn Dr. Kieserling für ein halbes Wochenende einen Workshop abzuhalten und sich mit einem zuvor selbst ausgewählten Thema zu befassen: Der Studentenbewegungder späten 60er Jahre. Übrigens: Bereits vor einem Jahr fänd ein ähnlicher Workshop zu einem Thema der jüngsten deutschen Geschichte am selben Ort statt.

 


Nachdem wir allerdings zuerst festgestellt haben, dass es in Imshausen (nahe Bebra) tatsächlich fast keinen Handyempfang gab und wir also, von der Außenwelt nahezu abgeschnitten, alle auf uns selbst zurückgeworfen waren, haben wir die Tagungsstätte, das Gutshaus der Adam von Trott-Stiftung, für eineinhalb Tage für uns in Beschlag genommen. Das Ambiente, das uns allen sehr gut gefallen hat, machte das Verweilen dort auch sehr leicht.
Kurz darauf führten wir auch schon eine erste "Unterrichtseinheit" durch - wir verschafften uns einen groben Überblick über die damalige Zeit anhand eines Skriptes, welches wir schon vorher bekommen hatten. Zum besseren Verständnis sahen wir uns die Dokumentation "Die wilden 60er Jahre - Macht kaputt, was euch kaputt macht" an, danach sammelten wir aus dem Material Stichpunkte zum Thema und überlegten uns, womit wir uns genauer beschäftigen wollten. Wir einigten uns auf diese Stichpunkte: Auseinandersetzung mit dem Nazi-Regime, die Radikalisierung der Proteste, Rudi Dutschke, die Spaltung der Gesellschaft, den Antiamerikanismus, die Ziele der Bewegung und die sexuelle/kulturelle Befreiung.
Nach diesen arbeitsamen Stunden sahen wir uns als Abschluss des Tages den Film "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" an, der, auf der Basis eines Textes von Heinrich Böll, die Rolle der Medien in der öffentlichen Meinungsbildung von damals behandelt und die Geschichte der Katharina Blum zeigt, die eine Nacht mit einem verdächtigten und gesuchten Verbrecher verbringt; Katharina Blum wird daraufhin von Medien verfolgt und weiß sich am Ende nicht anders zu helfen, als einen infamen Reporter, der ihr zu Leibe rückt, schließlich zu töten.


Den Rest des Abends verbrachten wir mit amüsanteren Themen - gleichsam zum Ausgleich, bis wir alle ins Bett gingen.
Nach einer allzu kurzen Nacht und dem Frühstück bearbeiteten wir in Gruppen die Themen, die uns für den Rest dieses Tages beschäftigen würden. Nach dem Referieren dieser Themen gab es noch einmal eine Pause mit Kaffee und Kuchen und anschließend zogen wir anhand einiger übergreifender Fragen ein Fazit: Die Zeiten der Studentenbewegung waren sehr turbulent und die Studenten wollten ein neues Bildungssystem, mehr Mitspracherechte, mehr Freiheit, neue Wertvorstellungen und eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Kurz: Eine neue Gesellschaft.
Als der Zeitpunkt der Abfahrt näher rückte, die Zimmer geräumt waren und das Haus wieder sauber und leer war, fanden wir es doch ein bisschen schade, dass dieses Wochenende schon vorbei war, denn diese Art des "Unterrichts" bietet viele Vorteile und alle Beteiligten würden so ein Projektwochenende gerne noch einmal machen. Tatsächlich kann so etwas Spaß machen (und den hatten wir!) und trotzdem interessant sein.


Susanna Bolz

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